Bildgröße bei 300 ppi

Ich brauche das Foto in 300 dpi!

Ich hatte zwar bereits vor Jahren ausführlich zum Thema „ppi vs. dpi“ geschrieben, sowie zum generellen Unsinn der verbreitet wird, wenn von Fotos „in einer Auflösung von xxx dpi“ gesprochen wird. Doch das ist Jahre her, und wie es scheint ist dieses falsche Gedankengut nicht nur nicht ausrottbar, sondern manifestiert sich im Gegenteil leider immer mehr.

Manifestierte Irrtümer

Ich möchte daher an dieser Stelle nochmal ganz klar und deutlich festhalten: Ein digitales Foto hat keine Auflösung in dpi! Weder 72 dpi, noch 96 dpi, noch 300 dpi, sondern gar keine dpi!

Was gemeint ist, ist in Wahrheit ppi (Pixel Per Inch) – aber auch wenn man ppi sagen würde, was der Wahrheit schon näher käme, ist es leider immer noch Unsinn.


Kurz gefasst: Ein digitales Foto hat eine Auflösung in Pixel – und sonst gar nichts! Diese Auflösung (korrekter: dieses Pixelmaß) entscheidet darüber, in welcher Auflösung (ppi) man das Foto in einer bestimmten Ausgabegröße drucken kann. Der Drucker schließlich hat eine Auflösung in dpi, was besagt, wie klein die einzelnen Punkte (dots) des Druckers bei der Ausgabe sind (ohne hier jetzt auf Details der unterschiedlichen Drucktechniken („Rastertung“) einzugehen)


Wenn nun jemand sagt „Ich brauche das Foto in mindestens 300 dpi Auflösung“, dann ist das somit gleich doppelter Unsinn. Selbst wenn wir die „Haarspalterei“ bezüglich dpi/ppi weglassen (Es gibt Drucker, bei denen ppi tatsächlich auch dpi entspricht – aber eben nicht alle), ist diese Anforderung sinnlos, wenn nicht die gewünschte Ausgabegröße dazugesagt wird!

300 dpi in Photoshop

PPI= Pixel Per Inch und sagt einzig und allein aus, wie viele Pixel bei der Druckausgabe pro Inch (=2,54 cm) verwendet werden. Klarerweise muss dann aber auch dazugesagt werden, in welcher Größe ein Druck mit 300 ppi möglich sein soll – also z.B. „Das Foto muss ein Pixelmaß haben, welches einen Druck in Größe A5 mit 300 ppi ermöglicht„. Basierend darauf ist es dann sehr leicht zu berechnen, welches Pixelmaß das Foto haben muss.

Natürlich kann man – „um auf der sicheren Seite zu sein“ – einfach immer die größtmögliche Datei verwende, die existiert, klar. Nur macht das nicht immer Sinn, bzw. ist nicht immer in der gewünschten Form machbar – damit kommen wir zur nächsten, weit verbreiteten Fehlinformation:

„Die Datei ist zu klein!“

Was auch gerne kommt: Das Foto (als .jpg) ist zu klein, es muss mindestens x MB groß sein! Leider noch so eine Anforderung, die gut klingt, nur leider völlig sinnlos ist.

jpg ist ein verlusbehaftetes Komprimierungsverfahren für digitale Fotos (wobei sich die Verluste bei höchster Qualitätsstufe in de facto völlig unsichtbaren Grenzen halten). Komprimierung bedeutet, dass die Daten „optimiert“ werden, was man sich im einfachsten Fall so vorstellen kann:

Wenn eine Fläche auf dem Foto eine gänzlich einheitliche Farbe hat – sagen wir tausend Pixel Rot nebeneinander, dann würde – unkomprimiert gespeichert, und sehr einfach ausgedrückt – tausend mal die Information „Rot“ abgespeichert werden (also: Rot, Rot, Rot, Rot Rot…), was dementsprechend Speicherplatz kostet. Man könnte aber – und in diesem Fall sogar ohne jeglichen Informationsverlust! – auch einfach die Information „1000 x Rot“ abspeichern. Wenn das Bild dann dargestellt wird, ersetzt die Anzeige die Information „1000 x Rot“ wieder zurück in „Rot, Rot, Rot….“ und das Bild wird verlustfrei in voller Pracht dargestellt.

Genau das (nur natürlich noch deutlich komplizierter) macht jpg.

Wenn nun also ein Foto mit z.B. 3000 Pixel Kantenlänge – also die „Auflösung“ des Fotos, siehe oben! – sehr viel homogene Fläche hat, dann kann man sich auf den Kopf stellen, aber man wird keine Dateigröße von 5 MB „schaffen“ – es wird immer deutlich kleiner sein, selbst in jpg Qualitätsstufe 12, was das Maximum an Bildqualität (und Minimum an Komprimierung) darstellt!

Was man natürlich tun kann: Das Bild völlig ohne Komprimierung als z.B. tif abzuspeichern. Dann bekommt man satte 50 MB (oder noch deutlich mehr) für das gleiche Foto geliefert (was dann aber leider wieder zu groß ist, um es per Email zu übermitteln, sorry…)

Ist die Bildqualität hier besser, wenn man es z.B. für einen Druck in Größe 10×15 cm benötigt? Ich würde mal so sagen: Der Glaube versetzt ja bekanntlich Berge, aber – nein, beim besten Willen nicht. Es ist einfach nur mit Atomraketen auf Amöben schießen, einen Unterschied im Druck kann es unmöglich geben. Vielleicht(!) wird man Unterschiede am Bildschirm sehen, bei 400% Vergrößerung und mit sehr, sehr viel Geduld – mir ist es bis dato nicht gelungen.


(Ja aber moment mal – soll das jetzt heißen jpg ist das Maß aller Dinge, und z.B. tif zu verwenden hat überhaupt keinen Sinn? Nein, soll es nicht heißen. Tif hat den großen Vorteil, dass Farbinformation mit 16 Bit pro Farbkanal gespeichert werden kann, in jpg nur mit 8 Bit. Das kann im Zuge der Bearbeitung der Fotos einen großen Unterschied machen, wenn die Aufnahme z.B. sehr feine Farbverläufe enthält. Genau wie bei Verwendung von RAW können dadurch Abrisse in diesen Verläufen vermieden werden, wie in diesem Artikel beschrieben.)


Daher die große Bitte:

Wie man unschwer rauslesen kann nervt mich das Thema ein wenig. Das liegt vor allem daran, dass manche Leute teilweise sehr vehement Forderungen wie oben erläutert stellen. Und wenn man denen dann versucht zu erklären, dass das alles so leider nicht stimmt, rennt man manchmal gegen eine Betonmauer. Man steht entweder als inkompetent, oder unkooperativ da, obwohl beides nicht der Fall ist. Dem Kunden zu sagen, dass es leider er ist, der nicht weiß wovon er spricht, ist natürlich heikel…

Dass so viele Leute diesen Irrtümern aufsitzen, ist aber auch kein Wunder: Selbst große Druckdienstleister verschicken Emails mit Aussagen wie „Die Datei muss mindestens 200 dpi haben“, ohne dazuzusagen, auf welche Ausgabegröße das gemeint ist. Somit kein Wunder wenn auch Leute, die damit nur am Rande zu tun haben (müssen) solche Aussagen einfach blind und für jeden Anlassfall übernehmen.

Daher meine ganz, ganz große Bitte eben vor allem an all die wirklichen Profis da draußen, zu deren täglich Brot solche Arbeit gehört: Bitte hört auf, so schlampig zu kommunizieren (mal davon ausgehend dass euer MitarbeiterInnen selbstverständlich genau wissen, was Sache ist, und nicht in Wahrheit selbst ahnungslos sind…!). Solche Falschaussagen pflanzen sich fort wie ein Virus, und obwohl die Realität banalstes 1×1 für alle im Druck- und Grafikgewerbe sein sollte, ist dieses Virus einfach nicht ausrottbar.

Und an alle Kunden und Partner gerichtet: Wenn Sie Zeit und Muße haben, dann lesen Sie mehr Details zum Thema bitte hier nach. Wenn nicht (was ich durchaus verstehen kann), dann glauben Sie mir bitte einfach, dass Ihre wie oben geäußerten Forderungen leider nicht erfüllbar sind – und das nicht daran liegt, dass wir nicht dazu in der Lage sind. Sie können aber darauf vertrauen, bestmögliche Qualität zu bekommen!

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