The-leading-path

Herbstimpressionen im Wandel der Zeit

Da ich ja nunmehr bereits etliche Jahre fotografiere unterliege ich immer mehr dem Reiz, Orte aufzusuchen, welche ich bereits vor mehr oder weniger langer Zeit  fotografiert habe, um das gleiche Motiv nun neuerlich auf den Sensoren der nunmehr aktuellen, und somit technisch (deutlich) besseren Geräte festzuhalten. Werden die Fotos bedingt durch den Qualitätssprung der höheren Auflösung, besserem Rauschverhalten, höherem Dynamikumfang, besseren Optiken – also etlichen rein technischen Kriterien – gepaart mit meiner seit damals natürlich auch gestiegenen Erfahrung besser? Müsste ja eigentlich zwangsläufig so sein.

Hier ein nettes Beispiel an Herbstimpressionen dazu, vier Aufnahmen welche im Zeitraum von Nov. 2003 bis Nov. 2012 entstanden sind.

„The leading path“

…so damals der Titel dieses Fotos – war eines meiner „Favorites“, und wurde auch in diversen Foren, in denen sich Fotografen gegenseitig auf die Schulter klopfen (besser als gar keine Anerkennung…) hoch gelobt: Der Schienenstrang (der Liliputbahn im Wiener Donaupark) führt den Betrachter zuerst tiefer ins Bild hinein, um dann in einem eleganten Schwung nach links ins Unbekannte abzudriften. Der Baum links gibt der Aufnahme eine klare Abgrenzung, man hat das Gefühl hier nichts zu „verpassen“ – was weiter links von diesem Baum kommt ist nicht relevant. Der Busch rechts hingegen bringt (aus meiner heutigen Sicht) ein wenig Unruhe ins Bild. Ideal hingegen dass der Boden fast vollständig mit Laub bedeckt ist, während aber gleichzeitig die Bäume selbst auch noch genug Blätter tragen, um nicht kahl zu wirken.

Diese Aufnahme entstand am 8. Nov. 2003 mit einer Canon EOS 300D, 1/100 sek. bei f/8.0, 44mm (x Cropfaktor 1.6 ~ 70 mm).

The Leading Path

Canon EOS 300D, 1/100 sek. bei f/8.0, 44mm (x Cropfaktor 1.6 ~ 70 mm)

5 Jahre danach

Den nächsten Versuch startete ich 5 Jahre später – damals reizte es mich das erste Mal, eines meiner Lieblingsmotive nochmals abzubilden. Vom Ergebnis war ich jedoch enttäuscht – ich war zu früh dran, um die gleiche Spätherbststimmung einzufangen. Sprich deutlich weniger Laub am Boden, dafür mehr Blätter noch auf den Bäumen. Zusätzlich bemerkte ich erst später am PC bei der Bearbeitung, dass ich nicht die gleiche Position gefunden hatte – ich stand bei dieser Aufnahme etwas weiter weg (aus Sicht der rot-weiß-roten Stange in der Bildmitte), wodurch der Bildeindruck ein anderer wurde – die Kurve nach links ist hier nicht mehr so betont, wie in der ersten Aufnahme. Schön hingegen die Abendsonne, welche von links warmes Licht auf die Szene fallen lies.

The Leading Path, Version 2

Canon EOS 40D, 1/60 sek. bei f/11.0, 36mm (x Cropfaktor 1.6 ~ 58 mm)

Nochmal 4 Jahre später…

Die nächsten beiden Aufnahmen stammen beide aus 2012, mit nur einer Woche zeitlichem Abstand dazwischen. Hier entschied ich mich bewusst, die Position zu verändern, jedoch diesmal näher an die Kurve/Stange heran, um den Busch auf der rechten Seite nicht mehr ins Bild zu bekommen. Trotzdem wollte sich irgendwie nicht der gleiche Effekt einstellen, wie in der ersten Aufnahme aus 2003 – die Schienen, welche den Blick nach links „mitziehen“. Erst im Vergleich sah ich dann warum: Der Busch links neben den Schienen ist gewachsen, und berührt nunmehr fast die Gleise. Bei der ersten Aufnahme gab er noch unter sich den Blick auf die Gleise frei, man kann diesen somit etwas länger „folgen“. Ein schönes Beispiel dafür, dass die beste Ausrüstung nichts hilft, wenn das Motiv „beschlossen“ hat sich zu verändern – das muss man dann zwangsläufig akzeptieren und das Beste daraus machen. Und letzlich gefällt mir diese Aufnahme auch (trotzdem):

The Leading Path, Version 3

4. Nov. 2012, Canon EOS 5DMkII, 1/60 sek. bei f/ 8.0, 50mm (kein Cropfaktor)

Zusätzlich fällt auf, dass der Bereich rechts oben irgendwie „leerer“ ist, als noch auf den beiden Aufnahmen des Vorjahres. Auch hier ist die Erklärung simpel: Ganz offensichtlich wurde schlichtweg ein Baum gefällt – in der Aufnahme aus 2003 noch deutlich rechts im Bild ersichtlich. Das kann man nun für die Aufnahme positiv oder negativ sehen, je nach Geschmack (über welchen sich bekanntlich nicht streiten lässt…).

Für die letze Aufnahme dieses Vergleichs – wie bereits erwähnt nur eine Woche später – habe ich mehr Wert auf andere klassische Kriterien für Landschaftsaufnahmen gelegt: Tiefere Position, um somit die „Sogwirkung“ der Schienen etwas zu erhöhen.  Ergänzend dazu stand ich näher an der Szene, um den gleichen Bildausschnitt zu bekommen, wählte ich daher eine etwas weitere Brennweite (36 mm statt 50 mm). Die durch diesen Positionswechsel verursachte leichte Änderung der Perspektive sorgt somit ebenfalls für einen etwas anderen Bildeindruck, die Objekte im Hintergrund scheinen dadurch noch etwas weiter weg zu sein – ein wichtiger Aspekt, vor allem (aber nicht nur) in der Architekturfotografie. Und schließlich sorgt die kleinere Blendenöffnung von f/14 für mehr Schärfentiefe.

11. Nov. 2012, Canon EOS 5DMkII, 1/60 sek. bei f/ 14.0, 36mm (kein Cropfaktor)

11. Nov. 2012, Canon EOS 5DMkII, 1/60 sek. bei f/ 14.0, 36mm (kein Cropfaktor)

Auch die Lichtverhältnisse waren bei dieser Aufnahme gänzlich andere, als auf den beiden Aufnahmen zuvor, und erinnern hier eher wieder an das etwas kühlere Licht der allerersten Aufnahmen von 2003.

Wie man sieht haben bereits kleine Änderungen an der Bildgestaltung  deutliche Auswirkungen auf das Ergebnis. All das und noch viel mehr ist natürlich Thema der PhotoArtPro Fotoworkshops, welche ab Jänner wieder in Wien stattfinden! Mehr Infos dazu gibt es hier.

Wie sieht es nun mit den rein technischen Aspekten aus? Nun, keine Frage dass die Aufnahmen mit dem 21 Mpix Sensor der 5DMkII deutlich mehr Detailschärfe zeigen. Doch wie bereits in einigen Vergleichen zuvor erwähnt: Das spielt nur eine Rolle, wenn man die Aufnahmen einigermaßen groß zu Papier bringen möchte – in diesem Fall ist die höhere Auflösung natürlich ein Plus, da bei großformatigen Prints natürlich alle Details sichtbar werden, und sich somit jeglicher Verlust an Bildinformation bemerkbar macht. Für kleine Prints oder reiner Darstellung am Bildschirm sind die Unterschiede bei einer solchen Aufnahme jedoch völlig vernachlässigbar.

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