Belichtungsmessung im Studio

Ich lese mich zurzeit sehr intensiv in eine Menge Fachliteratur ein, vor allem zum Thema Lichttechnik für Porträt- und Aktfotografie. Auch wenn ich diesbezüglich schon einige Bücher gelesen habe, und ja auch schon ein wenig Praxiserfahrung sammeln konnte, ist es doch immer hilfreich und interessant, die Sichtweisen mehrerer Fotografen dazu zu lesen bzw. zu hören. Einiges davon, quasi die „hard facts“ wiederholen sich dadurch natürlich zwangsläufig, doch so Manches wird von unterschiedlichen (selbsternannten) „Experten“ völlig unterschiedlich erklärt bzw. praktiziert. Und mit einigem davon bin ich so gar nicht einverstanden.

Neben den bereits erwähnten, weit verbreiteten – und im wohlwollendsten Fall als „irreführend“ zu bezeichnenden – Angaben bezüglich der ppi eines Fotos für Webdarstellung bin ich nun in einem aktuellen Buch zum Thema „Fotografieren im Studio“ über eine solche, recht ausführlich beschriebene Praxis gestossen, der ich mich so rein gar nicht anschließen kann. Da es mir um die Sache geht, und nicht daran, auf irgend jemanden mit dem Finger zu zeigen, werde ich weder das Buch, noch den Autor nennen.

Licht im Studio

Beschrieben wird hier folgendes zum Thema Belichtungsmessung im Studio: Die Studioblitzanlage ist ja nicht „logisch“ mit der Kamera verbunden, sondern ein in sich autarkes Sytem. Die Blitzanlage „weiß“ nicht, welche Einstellungen an der Kamera vorgenommen wurden, und im Gegenzug weiß die Kamera nichts davon, wie stark die Blitzanlage eingestellt ist (bzw. dass überhaupt eine Blitzanlage vorhanden ist!). Somit muss – in irgend einer Form – ermittelt werden, mit welchen Belichtungseinstellungen fotografiert werden muss, was in der Regel über einen (externen) Belichtungsmesser funktioniert (extern im Sinne von: Nicht der in der Kamera eingebaute). So weit so gut und so richtig.

Was rät uns das Buch nun, wenn im Zuge der Belichtungsmessung festgestellt wird, dass das Foto mit den aktuellen Kameraeinstellungen über- oder unterbelichtet wäre? Nein, nicht etwa die Blitzleistung entsprechend zu verändern, sondern: Die Blende an der Kamera entsprechend anzupassen!

Wirklich niemals würde ich meine Blendeneinstellung im Studio ändern, um die Belichtung zu korrigieren! Die Blende ist bekanntlich eine essentiell wichtige Einstellung, um über das Maß der Schärfentiefe zu entscheiden (Erklärungen dazu, was Schärfentiefe ist, gibt es Unmengen im Netz – kurz und gut ist z.B. diese hier: Schärftentiefe/Tiefenschärfe). Für ein Shooting überlege ich mir am Beginn ganz bewusst, mit welcher Blende ich es durchführen möchte, eben weil ich geringe oder hohe Schärfentiefe erzielen möchte – und ab dann greife ich diese Einstellung nicht mehr an! Da ich auch nicht über die ISO gehen möchte (ich will ja kein – im Studio völlig unnötiges – Bildrauschen verursachen), bleibt somit nur noch eine Möglichkeit, welche doch bitte wohl auch die logischte und naheliegenste sein sollte: Ich ändere die Stärke der Blitzleistung! Foto = überbelichtet = zu viel Licht = für weniger Licht sorgen! Irgendwie schon logisch, oder?

Sollte es so sein, dass ich eine Session mit Offenblende durchführen möchte (also der größten Blendenöffnung, die ein Objektiv zur Verfügung hat), weil ich eben eine sehr geringe Schärftentiefe erzeugen möchte, das Foto dadurch aber trotz niedrigster ISO-Einstellung, und trotz bereits geringster Einstellung der Blitzanlage immer noch überbelichten – nun, dann habe ich ein ernstes Problem mit der Blitzanlage, die schlicht für diese Zwecke zu stark ist! In solchen Fällen bleibt mir dann wohl tatsächlich nur noch (wenn ich die Blitzköpfe auch nicht mehr weiter vom Modell entfernen will/kann) es über die Blende auszugleichen, wodurch ich aber nicht mehr den von mir gewünschten Effekt erzielen würde. In diesem Fall würde ich mir aber ernsthaft überlegen, die Blitzanlage zu ersetzen bzw. um leistungsschwächere Blitzköpfe zu erweitern. Gerade im Bereich der Portraitfotografie gilt hier eindeutig meist eher das Gegenteil von „mehr ist besser!“ Zu wenig Licht passiert hier wohl deutlich seltener, als schlicht zu viel Licht.

Erschreckend finde ich, dass solche Tipps von Leuten geschrieben sind, und in Büchern veröffentlicht wurden, die selbst seit Jahren professionelle Fotografen sind (zumindest laut Eigenangabe). Umso wichtiger ist es, nicht nach einem Buch, oder einem Lehrgang zu glauben, alles gelernt zu haben, und dann stur diesem eingetrichterten Weg zu folgen. Immer mehrere Meinungen einholen, je unterschiedlicher sie sind – umso besser! Denn das regt zum Nachdenken darüber an, wie man dieses oder jenes Thema denn so dermaßen unterschiedlich betrachten kann. Woraus man dann schließlich seine eigene Meinung bilden kann.

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